Ziemlich durchgeschüttelt kamen wir in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas, an. In der letzten Reihe des komplett gefüllten Minibusses spürte man jeden Stein und Huckel der schlechten Straße. Die Geschwindigkeit mit der unser Fahrer unterwegs war begünstigte dieses besondere „Fahrerlebnis“ noch.
Mit 1,5 Mio Einwohnern ist Phnom Penh im Gegensatz zu den anderen Städten, die wir in Kambodscha besucht haben, wirklich eine riesige Stadt. Armut und Reichtum liegen hier sehr nah beieinander. Auf der einen Seite gibt es zum Beispiel prachtvolle Wats und den Königspalast, auf der anderen Seite schlafen Menschen nachts auf den Bürgersteigen oder in ihren Marktständen.

Wir zogen für die nächsten drei Nächte in das schöne „Fancy Guesthouse“ ein. Es war eine der saubersten Unterkünfte die wir auf unserer Reise hatten. Am Abend kam Tamara, die wir bereits am Anfang unserer Reise in Thailand kennengelernt hatten, nach Phnom Penh. Zusammen mit ihr trafen wir auch Britney, Joyce und Cliff wieder und verbrachten den Abend gemeinsam.
Am nächsten Tag bummelten wir durch die Markthalle „Psar Thmei“, ein riesiges Gebäude mit einer großen Kuppel auf dem Dach. Hier gibt es wahrscheinlich nichts, was es nicht gibt. Wir fragen uns immer wieder, wer das alles kaufen soll: massenweise Schmuck, Klamotten, Kosmetikprodukte, Schuhe, Taschen, Elektronikartikel, Souvenirs, Bücher, Obst, Gemüse, Fleisch, Blumen und vieles mehr stapeln sich dort in den vielen kleinen Verkaufsständen. Es gibt hier wohl um die 3000 Händler. Danach ging es noch in ein riesiges Einkaufszentrum nebenan, aber nicht zum Shoppen sondern nur zum Eis essen 😉

Außerdem haben wir in Phnom Penh noch unsere Visaverlängerung für Kambodscha beantragt. Da es hier noch so viel zu sehen gibt und wir auch den Süden Kambodschas mit seinen Inseln entdecken möchten, haben wir uns entschieden länger zu bleiben. Nachdem wir bei mehreren Gästehäusern und Reisebüros nachgefragt hatten und alle unterschiedliche Preise und Bearbeitungsdauern genannt hatten, haben wir eine Agentur gefunden, die uns das Visum innerhalb von 24h besorgen konnte. Natürlich gegen einen kleinen Aufpreis. Da wir aber etwas in Zeitnot waren und am übernächsten Tag weiter fahren wollten, haben wir uns dann für diese Agentur entschieden.

Den nächsten Morgen starteten wir mit einem späten Frühstück und relaxten ein wenig. Ich hatte aber noch vor das Tuol-Sleng-Genozid-Museum (ehemaliges Gefängnis S-21) und die Killing Fields von Choeung Ek zu besuchen. Nicole wollte das lieber nicht sehen, da beides sehr erschütternde und bedrückende Gedenkstätten sind.
So suchte ich mir am Nachmittag ein Tuk Tuk, das mich dort hin bringen sollte. Ein Tuk Tuk zu finden ist in Kambodscha auch nicht schwer, viel mehr finden die Tuk Tuk Fahrer dich. Aber ich hatte am Vortag schon einen gesehen, der weiß wie das Geschäft läuft und der auch mein Fahrer sein sollte. An seinem Tuk Tuk hing ein Schild mit folgender Aufschrift: „Ich belästige sie nicht, wenn sie aber ein Tuk Tuk brauchen, kommen sie zu meinem Tuk Tuk. Angemessener Preis. Der beste Fahrer Mr. Sadam„. Mr. Sadam stand gleich ein paar Meter entfernt. Auf dem Weg zu ihm musste ich nur noch 3 weitere Tuk Tuk Fahrer abwimmeln und dann mit ihm den Preis verhandeln.
Zuerst ging es zum Tuol-Sleng-Genozid-Museum. Es war früher eine Schule, wurde aber zwischen 1975 und 1979 von den Roten Khmer als Gefängnis und zur Folterung der Insassen benutzt. Heute ist es eine Mahn- und Gedenkstätte. Die ausgestellten Bilder, Dokumentationen und der Ort selbst waren sehr ergreifend.
Nach dem Tuol-Sleng-Genozid-Museum fuhren wir auf einer extrem staubigen Straße 15 km zu den Killing Fields von Choeung Ek. Der sehr gute Audio-Guide erläuterte die Geschichte dieses Ortes sowie die furchtbaren Taten, die die Roten Khmer hier ausübten.
Bisher haben wir fast nur die schönen Seiten der bereisten Ländern entdeckt. Ich denke es ist aber auch sehr wichtig sich mit der Geschichte der Länder auseinanderzusetzen. Ein Spruch aus den Killing Fields kommt mir daher immer wieder in den Sinn: „Eine frühere Lektion garantiert uns eine bessere Zukunft“.
Mit Anbruch der Dunkelheit starteten wir die Rückfahrt. Für mich war es sehr abenteuerlich, da wir genau zur Rush-Hour durch Phom Penh fuhren. Aus 2-spurigen Straßen wurden teilweise 5 Spuren. Autos, Tuk Tuks, Mopeds und Fahrräder drängten sich dicht aneinander und suchten immer wieder eine Lücke. Rote Ampeln werden hier fast immer ignoriert und bei Kreuzungen ohne Ampeln musste man sich sowieso Stück für Stück vortasten um überhaupt die Chance zu haben die Straße zu überqueren. Mein Fahrer ignorierte auch grundsätzlich Einbahnstraßen. Er brachte mich aber nach über einer Stunde durch den dichten Verkehr Phnom Penh´s sicher zu unserem Guesthouse.
Nicole erzählte mir dann noch, dass sie fast vergessen hatte unsere Reisepässe mit dem verlängertem Visum abzuholen. Zum Glück hat sie aber noch in letzter Sekunde daran gedacht, da wir ansonsten am nächsten Morgen nicht weiter nach Kampot hätten fahren können.
Am Abend waren wir dann noch mit Dana, Kaja und Tamara essen, was gleichzeitig unser Abschiedsessen von Dana und Kaja war.