Wir ließen Ecuador hinter uns und flogen weiter nach Peru. Nach einer Nacht in der Hauptstadt Lima ging es mit dem Flugzeug direkt weiter nach Cusco, der so genannten “Hauptstadt der Inka“. Cusco liegt in den Anden auf 3400m und schon bei der Ankunft in unserem Hotel wurde uns Coca-Tee serviert. Dieser hilft sehr gut gegen Kopfschmerzen und Müdigkeit und ist damit ein sehr gutes Mittel gegen die Höhenkrankheit, da das Coca die Sauerstoffaufnahme verbessert. Eigentlich wollten wir Cocatee und auch Bonbons aus Coca als Souvenir mitnehmen, aber wir haben gelesen, dass Cocablätter nicht nach Deutschland eingeführt werden dürfen, weil das gegen das Betäubungsmittelgesetz verstößt.

Die Altstadt von Cusco mit den vielen kolonialen Gebäuden, Kirchen und dem Plaza de Armas hat uns gut gefallen, ist aber auch sehr touristisch. Am Plaza de Armas haben uns innerhalb 15 Minuten mehr als 10 Händler gefragt ob wir Bilder, Schmuck, Mützen und sonstige Souvenirs kaufen wollen. Dort kann man auf jeden Fall nicht „in Ruhe“ auf einer Bank sitzen und das Treiben beobachten. Am Nachmittag haben wir Florian getroffen. Ihn hatten wir auf Galapagos beim Tauchen kennengelernt und wir wollten zusammen zum Machu Picchu und eine Trekkingtour machen. Wir fragten in verschiedenen Reiseagenturen nach, aber irgendwie hatte uns nichts davon zugesagt. Deshalb beschlossen wir, ein paar Ausflüge auf eigene Faust zu machen und auf eine geführte Tour zu verzichten.
Am nächsten Tag wollten wir mit dem Bus eine Stadtrundfahrt machen, aber als dieser los fahren wollte, fing es an zu regnen und wir stiegen schnell wieder aus. Den Nachmittag verbrachten wir mit der Planung für die nächsten Tage. Wir erkundigten uns nach dem Zug nach Aguas Calientes um von dort zum Machu Picchu zu kommen. Wir hatten gar nicht daran gedacht, dass ja Ostern vor der Tür stand und es über die Feiertage sehr voll werden würde. Also beschlossen wir am nächsten Morgen nach Aguas Calientes zu fahren und buchten auch gleich die Zugtickets. Danach kauften wir auch noch die Tickets für Machu Pichu und den Montaña und die Reise ins “Heilige Tal der Inka” konnte beginnen.

Donnerstag früh am Morgen nahmen wir ein Taxi zur Bushaltestelle in Cusco und fuhren dann mit einem Collectivo (eine Art Sammeltaxi) nach Ollantaytambo, wo der Inkazug nach Aguas Calientes losfährt. Nach 2 Stunden Fahrt durch die wunderschöne Anden-Landschaft mit grünen Wiesen, hohen Bergen, einige sogar mit Schnee auf den Gipfeln, Steinhäusern und Peruanern in ihrer typischen Kleidung kamen wir in Ollantaytambo an. Wir hatten 2 Stunden Zeit um uns ein Gästehaus zu suchen, damit wir hier unsere großen Rucksäcke lassen konnten, denn es war nicht erlaubt so viel Gepäck im Zug mitzunehmen. Ollantaytambo ist ein schönes, gemütliches Städtchen auf eine Höhe von fast 2800 Metern am Fluß Urubamba. Schmale Kopfsteinpflastergassen ziehen sich durch den Ort und es gibt viele kleine “Bächle”, die durch die Gassen fließen. Ollantaytambo ist die einzige erhaltene Stadt aus der Inkazeit. Die meisten Gebäude, die Inka-Terrassen und die engen Gassen sehen noch so aus wie vor mehreren Hundertjahren als die Inka sie erbauten. Ein wirklich schöner Ort.
Wir quartierten uns für die übernächste Nacht im Sumac Chaska Hostal ein und stellten dort bis zum nächsten Abend unsere großen Rucksäcke ab. Danach versorgten wir uns noch mit Wasser und Cocabonbons um gut für die Höhe gewappnet zu sein. Dann spazierten wir am Fluß entlang zum Bahnhof und fuhren mit dem Zug nach Aguas Calientes, einem kleinen Ort, der Ausgangspunkt für den Besuch der alten Inkastadt Machu Picchu ist und auf 2090m Höhe liegt. Vorbei an wahnsinnig hohen und steilen Bergen kamen wir nach 1,5 Stunden im Zug in Aguas Calientes an. Der Bahnhof ging nahtlos in einen Souvenirmarkt über und wir mußten uns auf dem Weg in den Ort erstmal an allerlei Souvenirständen vorbeischlängeln. Wir fanden gleich ein günstiges Zimmer im Hostal Joe, aber die Nacht war für uns schon morgens um 4:00 Uhr wieder zu Ende. Wir wollten zum Sonnenaufgang am Machu Picchu sein und starteten deshalb bereits in der Dunkelheit um 4:45 Uhr. Die ersten Minuten führten über eine Schotterstraße bis zu einer Brücke vor der unsere Eintrittskarten kontrolliert wurden. Außer uns waren auch schon etliche andere Machu Picchu Besucher auf den Beinen. Und dann begann der anstrengende Aufstieg über steile Steintreppen nach oben… Schon nach den ersten paar Stufen dachte ich, „hätte ich doch lieber den Bus genommen”. Diese Anstrengung aufgrund der Höhe und der dünnen Luft, und das am frühen Morgen ohne Frühstück, war für mich eine ziemlich große Herausforderung und ich fing schnell an nach Luft zu schnappen. Seppel schien der Aufstieg nichts auszumachen und deshalb “trennten” wir uns auf halber Strecke, damit er rechtzeitig um 6:00 Uhr zur Öffnung der Inkastadt am Eingang sein konnte. Als Seppel oben ankam, hatte er Glück und sah Florian, der schon vorneweg gelaufen war. Florian stand ganz vorn in der Schlange und Seppel konnte sich zu ihm durchdrängeln, so dass beide unter den ersten am Machu Picchu waren und Fotos der noch “touristenleeren“ Inkastadt machen konnten. Ich ging es etwas langsamer an und kam eine Viertel Stunde und gefühlte 1000 Treppenstufen später ziemlich geschafft oben an. Ungefähr 400 Höhenmeter hatte ich in einer Stunde zurückgelegt. Am Eingang war mittlerweile schon eine lange Schlange, denn auch die ersten Busse mit den “faulen” Touristen waren eingetroffen. Ich stellte mich ganz unauffällig in der Mitte an 😉 Seppel und Florian konnte ich dann aber gleich finden und wir genossen den wunderschönen Blick auf die alte Inkastadt. Es ist einfach unvorstellbar, wie die Menschen früher so ein Bauwerk geschaffen haben. Nach ein paar Fotos ließen wir uns erstmal unser wohlverdientes Frühstück schmecken (obwohl Essen in der gesamten Anlage eigentlich verboten ist). Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Machu Picchu Montaña: eineinhalb Stunden ging es 600 Höhenmeter bergauf und alles wieder über noch steilere, hohe und unebene Treppen. Das spürte ich ganz schön in den Oberschenkeln! Dieses Mal hatten wir es aber nicht so eilig und legten immer mal eine kurze Pause ein um zu verschnaufen. Die Stufen wurden immer steiler und neben der Treppe ging es hunderte Meter in die Tiefe. Es war ziemlich bewölkt und man konnte die umliegenden Berge leider kaum erkennen. Aber je höher wir kamen, desto mehr verzogen sich die Wolken und als wir oben auf dem Gipfel in 3060m ankamen hatten wir einen tollen Blick auf den Machu Picchu, das Urubamba-Tal und die schneebedeckten Berge. Es hingen zwar immer noch Wolken in den Bergspitzen, aber die Aussicht war atemberaubend. Alle Anstrengung hatte sich gelohnt. Nach noch mehr Fotos belohnten wir uns erstmal mit einem zweiten Frühstück und beobachteten dabei das Spiel der Wolken, die schnell am Himmel entlangzogen. Leider verdeckten sie nach und nach den Blick auf den Machu Picchu. Wir suchten uns ein schönes Plätzchen und warteten, aber bis auf ein paar kurze Wolkenlücken blieb der Machu Picchu leider verdeckt. Also machten wir uns wieder auf den Rückweg die steilen Treppenstufen hinunter. Das kostete zwar nicht ganz so viel Kraft wie der Aufstieg, aber mit meinen jetzt ziemlich wackligen Beinen war es doch gar nicht so einfach. Danach gingen wir entlang steiler Felshänge bis zur alten Inka-Brücke an einer Felswand und schauten uns Machu Pichu natürlich auch aus der Nähe an. Zwischen den Mauern liefen ein paar Lamas herum, die scheinbar als “Rasenmäher“ gehalten werden.
Die Inkastadt gehört zu den 7 Weltwundern. Sie wurde auf 2400m Höhe gebaut und rundherum befinden sich ziemlich viele Terrassen, auf denen die Inka Obst und Gemüse anbauten. Wenn ich mir vorstelle, wie die Menschen hier gelebt haben… da würde ich gern einmal zurück in die Vergangenheit reisen. Der Rückweg nach Aguas Calientes hat dann nochmal fast 2 Stunden gedauert und ich war froh als wir wieder im Zug saßen und wir uns ausruhen konnten.

Am nächsten Tag hatte ich ziemlichen Muskelkater in den Beinen. Da in unserem Gästehaus laute Bauarbeiten im Gange waren, es ziemlich dreckig war und wir dafür auch noch viel bezahlten, suchten wir uns eine neue Unterkunft. Aus unserem Zimmer im Hostel Inti Killa hatten wir einen schönen Blick auf die Berge und die Inkaruinen von Ollantaytambo. Am Nachmittag machten wir eine kleine Wanderung bergauf zu den alten Inkaruinen Pinkuylluna. Vor dort hatten wir einen wunderschönen Blick in das Tal und auf Ollantaytambo.
Mit einem Taxi machten wir am Sonntag zu dritt einen Ausflug durch die Umgebung Ollantaytambos. Unser Fahrer Augosto fuhr uns zu den “Salinas”, das sind riesige Salzfelder und danach schauten wir uns die Inkaruine von Moray an. Hier hatten die Inkas in gigantischen kreisförmigen Terrassen Landwirtschaft betrieben. Bei der Fahrt durch das Tal konnten wir überall die wunderschöne Landschaft bewundern, hohe, schneebedeckte Berge, grüne Wiesen und viele Felder. Unterwegs trafen wir auf zwei Kinder mit einer Schafherde und ein paar Eseln. Sie haben gleich für ein paar Fotos posiert und anschliessend wollten sie natürlich Geld von uns. Wenn man die Einheimischen fotografieren möchte, wollen sie meistens etwas Geld dafür. Also gaben wir ihnen einen Peruanischen Sol (umgerechnet 0,25 Cent) und sie waren zufrieden.
An den nächsten beiden Tagen haben wir nicht so viel gemacht. Wir spazierten durch die Gassen und sahen vor vielen Haustüren einen Besenstiel mit einer roten Plastiktüte daran befestigt. Wir haben erfahren, dass in diesen Häusern Chicha hergestellt wird. Das ist Bier aus Mais. Vor allem auf dem Plaza de Armas, im Zentrum von Ollantaytambo, sahen wir viele Einheimische in ihrer traditionellen bunten Kleidung. Frauen tragen weite Röcke, bunte Strickjacken und spezielle Hüte. Die Männer haben bunt gestreifte Ponchos an. So sieht man immer wieder viele Farbkleckse in den Straßen. Eine weitere Besonderheit sind die langen, dicken, schwarzen, geflochtenen Zöpfe der Frauen, die am Ende noch miteinander verbunden sind. Auf so eine Haarpracht kann man wirklich neidisch werden.
Wir waren auch in einem typisch peruanischen Haus. Hier liefen ganz viele Meerschweinchen frei herum. An den Wänden hingen verschiedene, ausgestopfte oder getrocknete Tiere, z.B. Lämmer, ein Alpakafötus, Forellen, Flügel, Kopf und Krallen eines Kondors… Es war sehr interessant sich in dem Haus umzuschauen, denn wir entdeckten immer wieder neue und für uns merkwürdige Dinge. In einer Ecke war sogar ein kleiner Altar aufgebaut, mit Kerzen und den Schädeln der verstorbenen Verwandten.

Peru ist auch bekannt für die Webkünste. Deshalb buchten wir für den vorletzten Tag in Ollantaytambo eine Tour nach Patacancha, einem kleinen Weberdorf. Riesige Inkaterrassen, auf denen früher Gemüse angebaut wurde, ziehen sich hier an den Bergen entlang und wir fuhren auf einer Staubpiste in das 1 Stunde entfernte Bergdorf. Unsere kleine Gruppe von 5 Personen wurde begleitet von Tessa, unserem Guide. Sie arbeitet bei Awamaki, einer Non-Profit Organisation, die die Weberinnen unterstützt und Besuchern Einblick in die Kultur der Quechua (der indigenen Bevölkerung) und ihre Webtradition in den Anden ermöglicht. Die Einheimischen in Patacancha sprechen nur sehr wenig Spanisch, ihre Muttersprache ist Quechua, die Sprache der Inka. Diese ist komplett anders als Spanisch.
Als wir ankamen zeigte uns Tessa erst einmal die verschiedenen Wollsorten aus Alpaka, Lama und Schaf und erklärte die unterschiedlichen natürlichen Farben. Diese werden aus Blüten, Baumrinde oder auch kleinen Käfern, die an Kakteen sitzen, hergestellt. Ein paar Weberinnen trudelten nach und nach ein und wir konnten sehen wie sie ununterbrochen damit beschäftigt waren mit Hilfe einer Spindel einen Wollfaden zu spinnen. Man sieht auch ganz oft Frauen auf der Straße oder im Markt, die Fäden spinnen. Das machen sie immer so nebenbei. Dabei ist es ganz schön schwierig. Ich habe es zwar probiert, aber es klappte nicht.
Die Weberinnen hatten alle ihre traditionellen bunten Kleider an. Im Winter tragen sie sogar bis zu 7 Röcke übereinander (sie haben nie Hosen an!) Ihre Füße sind immer nackt, sie tragen zwar Sandalen, aber keine Strümpfe oder Socken. Tessa erzählte uns noch einige interessante Dinge über das Leben der Weberinnen und die Kultur in den Bergen, z.B gibt es in dem Dorf kein Telefon und Awamaki informiert die Weberinnen über Funk wenn neue Gäste kommen.
Die Weberinnen haben uns gezeigt, wie sie die bunten Stoffe herstellen. Das ist ziemlich kompliziert und all ihre Muster erzählen eine Geschichte. Zusammen mit ihnen haben wir es auch mal ausprobiert und uns ein kleines Armband gewebt. Dabei ist uns aufgefallen, dass die Weberinnen immer ganz leise und ruhig sprechen, sie haben fast geflüstert. Seppels Weberin, Doris, hatte während des Webens die ganze Zeit ein in buntes Tuch gewickeltes Bündel auf dem Rücken. Irgendwann hörte Seppel wie etwas zu brabbeln anfing und sah, dass es Doris kleiner Sohn war. Die Peruaner tragen ihre Kinder und auch andere Dinge immer auf dem Rücken. Leider konnten wir uns nicht so gut mit den Weberinnen verständigen, da wir kein Quechua sprechen, aber ein paar Dinge konnten wir doch erfahren. Wir fragten Doris wie alt sie ist, denn es war ziemlich schwierig das zu schätzen. Durch die Sonne und die harten Bedingungen in den Bergen sehen viele älter aus als sie sind. Doris war in unserem Alter. Wenn man vergleicht wie sie lebt und wie wir leben – das ist schon ziemlich beeindruckend. Wir konnten auch in eines der traditionellen Häuser schauen. Darin liefen viele Meerschweinchen herum und es gab eine kleine Kochstelle, alles ganz einfach. Es war sehr interessant in diese andere Welt zu schauen.

Bevor wir Ollantaytambo wierder verliessen, schauten wir uns dort noch die Inkaruinen an. Dann ging es weiter nach Pisac. Auch hier in der Umgebung befinden sich hoch in den Bergen Inkaruinen und wir machten von dort aus eine Wanderung. Einen Tag später fuhren wir zurück nach Cusco. Am Abend sahen wir hier einige Oster-Umzüge in der Stadt. Da es am nächsten Tag ziemlich regnerisch und kalt war, kümmerten wir uns mal wieder um unseren Blog. Abends verliessen wir das „Heilige Tal der Inka“ und machten uns im Nachtbus auf in Richtung Arequipa.