Auf über 3800m liegt der höchste schiffbare See der Welt, der Titikaka See. Aufgeteilt auf Peru und Bolivien befindet sich der See auf dem Altiplano, das ist eine riesige Hochebene zwischen den Anden. Wir verbrachten hier zwei Nächte in der Stadt Puno, deren Häuser sich an den Uferhängen des Titikaka Sees entlangziehen.
Die Busfahrt von Arequipa nach Puno dauerte fast 7 Stunden und ich schaute die ganze Zeit gespannt aus dem Fenster um nichts von der schönen Landschaft zu verpassen. Die war zwar sehr karg und trocken, aber trotzdem oder vielleicht gerade deshalb sehr beeindruckend. Zum Teil waren direkt neben der Straße steile Felswände, dann wieder weite flache Flächen mit kleinen Büschen, wir sahen Alpaka- und Lamaherden am Straßenrand und schneebedeckte Berge in der Ferne.
Bevor wir Puno erreichten fuhren wir durch die Stadt Juliaca. Die Atmosphäre hier war irgendwie merkwürdig. Von der geteerten Hauptstraße gingen viele Schotterpisten ab. Alles sah ganz staubig und grau aus. Die meisten Häuser waren nicht fertig gebaut und unverputzt. An den Straßenecken standen Frauen mit kleinen Marktständen und verkauften Obst und Gemüse, dazwischen fuhren Fahrradtaxis und Tuk-Tuks. Bei unserer Ankunft in Puno merkten wir schon gleich nach dem Aussteigen aus dem Bus wie dünn die Luft hier oben war. Das Gepäck war dann gleich nochmal schwerer. Aber der Besitzer des Pacha Hostels wartete glücklicherweise schon am Busbahnhof auf uns und begrüßte uns sogar auf Deutsch. Das hat er sich selbst beigebracht und er sprach es wirklich ziemlich gut. Angekommen in unserem Zimmer sicherten wir uns gleich eine kleine Heizung, denn abends wurde es hier richtig kalt. Bevor es ins Bett ging probierten wir aber noch ein paar leckere peruanische Spezialitäten: Seppel nahm Alpaka-Steak mit Quinoa (auch Perureis genannt) und ich hatte Forelle aus dem Titikaka See. Als Aperitif gab es das Nationalgetränk Pisco Sour (ein Cocktail aus Traubenschnaps, Limettensaft, Zuckersirup und Eiweiß).

Nach der ersten Nacht in Puno machten wir eine Tour zu den schwimmenden Schilfinseln „Islas Uros“. Diese befinden sich ca. 30 Minuten mit dem Boot entfernt. Die Islas Uros sind einmalig auf der Welt. Die Menschen haben früher auf der Flucht vor den Inkas die Idee gehabt, schwimmende Inseln aus Schilf auf dem Titikaka See zu bauen, um sich so in Sicherheit zu bringen. Heute gibt es hier um die 40 Inseln.
Die Frauen mit ihren langen, schwarzen, geflochtenen Zöpfen und in ihren farbenfrohen, ausgestellten Röcken begrüßten uns gleich ganz freundlich. Als wir den ersten Fuß auf den Schilfboden setzten, war es schon etwas komisch, da der Boden recht weich ist. Es war sehr beeindruckend zu sehen wie die Menschen hier leben. Alles spielt sich auf der schwimmenden Schilfinsel ab. Es gibt auch eine Grundschule und kleine Tante Emma Läden. Die Häuser und auch Boote sind aus Schilf gebaut. Doch bei einem Blick hinter die Häuser sahen wir auch ein paar Motorboote. Der technische Fortschritt hält natürlich auch hier Einzug.
Unser Guide und das Oberhaupt der kleinen Insel zeigten uns, wie die schwimmenden Inseln aus Schilf gebaut werden. So eine Insel hält 25 Jahre. Ausserdem kann man das Schilf auch essen und wir probierten es natürlich auch. Anschließend fuhren wir noch eine Runde auf einem traditionellen Schilfboot. Die Frauen hatten zwischenzeitlich Ihre Souvenirs auf dem Boden ausgebreitet und sie versuchten uns ihre Waren anzudrehen. Vieles davon sah aber nicht selbst gemacht aus… Der Besuch auf den Islas Uros war sehr touristisch, aber es gibt leider keine andere Möglichkeit diese außergewöhnliche Lebensumgebung kennenzulernen.
Danach fuhren wir weiter und erreichten nach 2,5 Stunden die Insel Taquile. Hier liefen wir bergauf bis zum Marktplatz und merkten bei dieser Anstrengung ganz schön die Höhe. Also machten wir immer schön langsam, denn sonst kommt man gleich ausser Puste. Die Männer auf Taquile tragen selbst gewebte Mützen. Je nach Farbe und Muster verraten diese, ob die Männer ledig oder verheiratet sind. Die Frauen haben ein schwarzes Tuch als Kopfbedeckung mit Püschel an den Enden: große Püschel bedeuten ledig und kleine, dass sie verheiratet sind. Bevor ein Mann und eine Frau auf Taquile heiraten, müssen sie 3 Jahre zusammen wohnen und der Mann muss weben, kochen und waschen können. Die Frauen haben es gut hier 🙂 Unser Guide erzählte uns, dass die Männer hier besser weben können als die Frauen. 2005 wurde ihre Webkunst sogar auf die UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen. Sobald ein Paar verheiratet ist, gibt es keinen Weg zurück. Scheidungen sind hier nämlich nicht möglich!
Am Marktplatz vor der Kirche spielten gerade ein paar Kinder und wir sahen, dass auch die kleinen Mädchen schon die typischen bunten weiten Rücke tragen. Wir spazierten weiter auf der Insel entlang, immer mit Blick auf den Titikaka See und konnten die typischen Terrassenfelder sehen, wo unter anderem Quinoa und Kartoffeln angebaut werden. Die Sicht auf den See war wunderschön, es sah fast aus wie am Meer, weil er so riesig groß ist. Kleine Häuser lagen verstreut an den Hängen zwischen den Feldern und ab und zu begegneten wir Frauen, die uns Souvenirs anboten. Zum Mittag gab es wieder leckere Forelle und ein wenig traditionelle musikalische Unterhaltung. Danach ging’s mit dem Boot zurück nach Puno, immer dem Sonnenuntergang entgegen.
Am nächsten Morgen machten wir uns mit dem Bus auf in Richtung Bolivien…